Aufzugfahren in Japan - Eine Wissenschaft für sich

Wenn man denkt, der Aufzug könnte einem einen Moment der Erholung bieten, hat man sich geirrt. Bei der Nutzung des Aufzugs ist, zumindest in Japan, höchste Aufmerksamkeit geboten, wenn man nicht all zu negativ auffallen möchten.

Was also tun, wenn man mit dem äußerlichen Erscheinungsbild schon ausreichend Aufmerksamkeit auf sich zieht? Genau aufpassen!

Sobald sich die Aufzugtüren öffnen und man als erster vorm Aufzug stand, heißt es zügig handeln, da alle hinter einem plötzlich furchtbar nervös werden.

Also, schnellen Schrittes den Aufzug betreten und unverzüglich die „Tür öffnen-Taste“ drücken und so lange gedrückt halten bis auch der letzte eingestiegen ist. Gleichzeitig hält man mit der anderen Hand die Tür auf, um sicherzustellen, dass niemand von der Tür erwischt wird. Das ist nicht nur höflich, sondern manchmal auch nötig, da die Aufzugtüren oft schnell schließen und manchmal keine Lichtschranken vorhanden sind (auch wenn ich das noch nie erlebt habe).

Gleichzeitig muss man dafür sorgen, dass jeder sein Stockwerk auswählen kann, denn auch da bekommt man sonst umgehend Nervosität zu spüren, und schnellstmöglich den „Tür schließen-Knopf“ betätigt. Jeder weiß zwar, dass die Tür auch von alleine schließt, aber die „Tür schließen-Taste“ muss dennoch auf jeden Fall gedrückt werden.

Da es immer viele Menschen und viele Stockwerke gibt, hält man gefühlt in jedem Stockwerk an. Da beginnt das gleiche Spiel von vorn. „Tür öffnen-Taste“ drücken, Tür aufhalten, „Tür schließen-Taste“ drücken.

Während all dieser Handgriffe sollte man sich noch merken, wer nach einem eingestiegen ist, da im Falle eines vollen Aufzugs, derjenige den Aufzug als erstes verlässt, der ihn zuletzt betreten hat.

Wer es dann noch schafft daran zu denken, zunächst dem ältesten Mitfahrer (im Arbeitskontext dem Ranghöchsten) sowie eingeschränkten Personen oder Eltern mit kleinen Kindern, beim Aussteigen den Vortritt zu lassen (egal wie klein der Aufzug auch ist) und erst als letzter auszusteigen, wenn man die Drücker-Position innehatte, der hat wirklich interkulturelle Kompetenz bewiesen.

Derjenige, dem das zu kompliziert erscheint, nimmt einfach die Treppe!

S.L. @Luzi